Europäische Verbraucherschutzbehörden gehen gegen in-game Währungen vor
Die Europäische Union hat eine groß angelegte Untersuchung gegen neun Videospiel-Unternehmen eingeleitet. Im Fokus stehen Praktiken rund um virtuelle Währungen in beliebten Spielen wie Minecraft, Valorant, Clash of Clans, Candy Crush Saga und Diablo Immortal. Die Europäische Kommission gab am Mittwoch bekannt, dass das Consumer Protection Cooperation Network (CPC) – ein Zusammenschluss der Verbraucherschutzbehörden aller 27 EU-Mitgliedstaaten – die koordinierten Maßnahmen leitet.
Diese Unternehmen und Spiele sind betroffen
Die Untersuchungen richten sich gegen folgende Unternehmen und ihre Spiele:
- Crytek GmbH (Deutschland) – Hunt: Showdown 1896
- InnoGames GmbH (Deutschland) – Forge of Empires
- King.com Operations (Malta) – Candy Crush Saga
- Mojang AB (Schweden) – Minecraft
- Plarium Europe – Mech Arena
- PLR Worldwide Sales (Playrix) – Gardenscapes
- Riot Games (USA) – Valorant
- Supercell Oy (Finnland) – Clash of Clans
- Ubisoft EMEA (Frankreich) – For Honor
Zusätzlich werden Activision Blizzards Mobile-Spiele Diablo Immortal und Call of Duty: Mobile separat untersucht – hier geht es neben virtuellen Währungen auch um Datenerhebung, potenziell suchtfördernde Designs, Kindersicherheitseinstellungen, Direktmarketing an Minderjährige und Kontosperrungen. Bemerkenswert: Drei der betroffenen Unternehmen – Activision Blizzard, King und Mojang – gehören zu Microsoft.
Was genau bemängelt wird
Verbraucherschützer kritisieren vor allem die Praxis der Premium-Währungen, die Spieler mit echtem Geld kaufen und gegen In-Game-Items eintauschen. Weil die Shops ihre Preise nur in dieser virtuellen Währung anzeigen, lässt sich der tatsächliche Geldwert oft nur durch Umrechnung ermitteln. Die angebotenen Pakete enthalten häufig Beträge, die nicht exakt zu den kaufbaren Gegenständen passen – nach jedem Kauf bleibt ein Restbetrag übrig, der zu weiteren Käufen animiert.
Die Behörden fordern daher:
- Klare Preisangaben in echtem Geld statt in virtueller Währung
- Keine verschleiernden Mehrfachwährungen oder Umtauschmechanismen
- Kein Druck, übermäßige Mengen virtueller Währung zu kaufen
- Klare Informationen vor jedem Kauf
- 14-Tage-Widerrufsrecht auch für ungenutzte virtuelle Währung
- Faire Nutzungsbedingungen, die verständlich sind
- Besonderer Schutz für Kinder und schutzbedürftige Verbraucher
Dark Patterns und Lootboxen im Visier
Das CPC-Netzwerk hat zudem eine Gemeinsame Erklärung verabschiedet, die einen einheitlichen Ansatz zum Schutz der Verbraucherrechte im EU-Spielemarkt festlegt. Besonderes Augenmerk liegt auf Lootboxen (zufallsbasierte Belohnungskisten), die besonders Minderjährige erreichen, sowie auf manipulativen Techniken wie irreführenden Timern, falscher Verknappung und direkter Kaufaufforderungen an Kinder.
EU-Verbraucherschutzkommissar Michael McGrath erklärte: „Die Industrie muss sicherstellen, dass ihre Spiele Spieler – insbesondere Kinder – keinen schädlichen oder unfairen Praktiken aussetzen. Das Spiel muss fair sein, und die Regeln müssen eingehalten werden.”
Hintergrund: BEUC-Beschwerde von 2024
Der Prozess geht auf eine Beschwerde der europäischen Verbraucherorganisation BEUC aus dem September 2024 zurück. Damals reichten BEUC und 22 Mitgliedsorganisationen eine Klage bei der EU ein – unter anderem gegen Activision Blizzard, Electronic Arts, Epic Games und Mojang. Die Kommission organisierte 2025 zwei Workshops mit den Branchenverbänden, gefolgt von schriftlichem Austausch. Doch trotz der Leitlinien und Diskussionen hätten viele Spieleunternehmen ihre Spiele nicht wesentlich verändert, so die CPC-Erklärung.
Was droht?
Die Verbraucherschützer haben noch keine konkreten Fristen für die Unternehmen oder mögliche Konsequenzen festgelegt. Die Erklärung ist derzeit vor allem eine Absichtserklärung. Allerdings könnten nationale Behörden bei Nichtbeachtung Sanktionen von bis zu 4 Prozent des Umsatzes in den betroffenen Ländern verhängen.
Zukünftige Regulierungen zur Monetarisierung von Videospielen könnten im Digital Fairness Act verankert werden. Die Kommission plant, ihren Entwurf im vierten Quartal 2026 vorzulegen.
Die betroffenen Spiele wurden nach Angaben der Kommission zufällig ausgewählt, um verschiedene Marktsegmente abzudecken.

