Kein Shared Tagging in WoW Forever – Blizzard verteidigt umstrittenes System
Spiele › Nachrichten
Gaming Nachrichten

Kein Shared Tagging in WoW Forever – Blizzard verteidigt umstrittenes System

22 September 2026 · 4 min read · Nachrichten

Du brauchst noch drei Wölfe für deine Quest, doch kaum tippst du die erste Fähigkeit an, schnappt dir ein anderer Spieler den Gegner weg. Frustration pur – und in World of Warcraft: Forever gehört genau das zum Plan. Blizzard hat in der laufenden Beta klargestellt: Das klassische Tagging-System bleibt, auch wenn es in den ersten Tagen für reichlich Verdruss gesorgt hat. Senior Game Designer Josh Greenfield, auf X als Aggrend bekannt, hat dem Konzept „Shared Tagging” eine klare Absage erteilt – und die Entscheidung ausführlich begründet.

Was Tagging bedeutet – und warum es in Forever zählt

Wer in WoW Forever einen Gegner zuerst mit einem Angriff markiert – „taggt” – dem wird dieser Gegner zugeschrieben. Andere Spieler können denselben Gegner nicht einfach für ihre eigene Quest verbuchen, es sei denn, sie sind in derselben Gruppe. Das führt besonders zu Beginn, wenn hunderte Charaktere gleichzeitig dieselben Startgebiete bevölkern, zu echter Konkurrenz um jeden einzelnen Mob.

Im modernen Retail-WoW gibt es längst „Shared Tagging” – wer einen bereits markierten Gegner angreift, bekommt ebenfalls Credits für Quest und Drops. Das erleichtert das gemeinsame Questen erheblich. Für WoW Forever hat Blizzard diese Komfortoption bewusst ausgelassen. Auf X schrieb Greenfield, dies sei einer der Punkte, an denen das Team schlicht „standhaft bleiben muss”. Kein anderes Detail aus den Entwickler-Q&As der vergangenen Wochen hat in der Community so viel Diskussion ausgelöst.

„Es ist schwer, den Nutzen von etwas wie diesem zu sehen, wenn man im Moment frustriert ist – aber es ist extrem wichtig für unsere soziale Säule, solche Reibungspunkte beizubehalten.” – Josh Greenfield, Blizzard

Reibung als soziales Werkzeug

Dahinter steckt ein bewusstes Designprinzip. Blizzard will in WoW Forever echte soziale Verbindungen fördern – durch Situationen, in denen Spieler aufeinander angewiesen sind. Wer dieselben Questgegner braucht, hat einen konkreten Anlass, eine Gruppe zu bilden. Aus einer kurzfristigen Zweckgemeinschaft kann eine längere gemeinsame Runde werden. Aus einem Fremden im selben Waldabschnitt kann ein regelmäßiger Mitspieler werden.

Diesen Effekt beobachten Beta-Spieler bereits: In Foren berichten Nutzer, dass sie für Quests spontan Gruppen gebildet und dabei wieder mehr miteinander gesprochen haben. Andere halten dagegen – die Konkurrenz in dicht besiedelten Gebieten bremse den Spielfluss spürbar aus. Viral gingen Screenshots von Spielern, die sich ordentlich in eine Warteschlange einreihen, um ein Quest-Objekt zu nutzen, das nur alle paar Minuten respawnt. Ungewollt komisch – und gleichzeitig ein Beweis dafür, dass die Community sich gegenseitig respektiert, auch wenn Gegner nicht geteilt werden.

Blizzard will den Frust auf anderen Wegen lindern

Greenfield betonte ausdrücklich, dass das Team den Frust der Spieler nicht ignoriert. Andere Maßnahmen sollen helfen: schnellere Respawn-Zeiten in überfüllten Gebieten, bessere räumliche Verteilung von Mobs und mehr Questoptionen für beliebte Abschnitte. Shared Tagging jedoch soll es nicht geben. Die soziale Funktion des klassischen Taggings überwiegt aus Blizzards Sicht den kurzfristigen Komfortverlust – und Greenfield ist der Meinung, dass sich das zeigen wird, sobald die Spielerdichte in höheren Levelgebieten nachlässt.

Dass dieses Designprinzip funktioniert, zeigt die Geschichte von World of Warcraft Classic, das 2019 zurückkehrte und bewies, dass Spieler die alten Mechaniken nicht nur tolerieren, sondern aktiv schätzen. Der klassische WoW-Loop – langsames Leveln, echte Reisezeit, Abhängigkeit von anderen – hat eine treue Fangemeinde, die genau das als Feature und nicht als Bug betrachtet. WoW Forever baut auf dieser Philosophie auf, ergänzt durch neue Inhalte und Systeme, die in Classic noch fehlten.

Release am 4. November – und dann?

WoW: Forever erscheint am 4. November 2026 für PC und Mac. Die Beta läuft noch bis zum 21. Oktober. Bis dahin bleibt die Konkurrenz um Questgegner ein heiß diskutiertes Thema – doch mit jeder Woche, die die Beta läuft, verteilen sich die Spieler besser über Azeroth, und der anfängliche Andrang lässt nach. Der große Launch wird zeigen, ob das System beim gleichzeitigen Ansturm zehntausender Spieler tatsächlich mehr soziale Verbindungen schafft, als es kurzfristig frustriert.

Für WoW-Forever-Fans, die seit Jahren auf eine würdige Rückkehr klassischer Spielmechaniken warten, ist die kompromisslose Haltung Blizzards jedenfalls ein gutes Zeichen: Forever soll nicht versuchen, allen zu gefallen. Es soll das Original mit seinen bewussten Designentscheidungen zurückbringen – auch den unbequemen. Wer das akzeptiert, bekommt ein MMO, das soziale Verbindungen nicht simuliert, sondern organisch entstehen lässt.

🎮
Bleib auf dem Laufenden

EverythingEdinburgh bringt dir die neuesten Gaming- und Esports-Nachrichten auf Deutsch

Mehr Gaming-Nachrichten → Follow on Google
EverythingEdinburgh Gaming
EverythingEdinburgh Gaming
Gaming-Redaktion

Das Gaming-Team von EverythingEdinburgh berichtet über Esports, PC, Konsolen und Neuigkeiten aus der Spielebranche.