Guild Wars 3 am Gamescom: Wie das Momentum-System das MMO-Genre aufbrechen soll
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Guild Wars 3 am Gamescom: Wie das Momentum-System das MMO-Genre aufbrechen soll

4 September 2026 · 4 min read · Nachrichten

Schließ die Augen und stell dir ein typisches MMORPG vor. Dein Charakter reitet auf einem Mount, steigt ab, steht still. Kämpft. Steht wieder still. Bewegt sich weiter. Steht still. Seit über zwei Jahrzehnten folgen fast alle großen MMOs exakt diesem Schema – einem ewigen Stopp-und-Start, das sich wie ein Korsett anfühlt.

Guild Wars 3 will damit brechen. Am Gamescom 2026 hat ArenaNet erstmals einen Blick auf den Alpha-Stand des Spiels gewährt – und das zentrale Versprechen heißt Momentum.

Das Problem mit klassischen MMOs

Studio-Leiter Colin Johanson hat auf dem Gamescom-Showcase das Kernproblem klar benannt: MMO-Welten sind meistens wie Schluchten gebaut – zweidimensionale, lineare Umgebungen, durch die man der Reihe nach hindurchläuft. Jede Bewegungsform ist von der nächsten abgeschnitten. Reiten endet abrupt. Gleiten endet abrupt. Kämpfen endet abrupt. Es gibt keine Übergänge.

Actionspiele haben Flow. MMOs haben ihn fast nie. Das war der Ausgangspunkt für Momentum – und laut Johanson der wichtigste Grund, warum ArenaNet irgendwann beschloss, keine direkte Fortsetzung von Guild Wars 2 zu machen, sondern etwas grundlegend Neues.

Was Momentum in der Praxis bedeutet

Die Alpha-Demo begann mit einem Charakter, der Wände hochsprintet und Felsvorsprünge überklettert. Kein abrupter Stop. Kein Ladebildschirm. Der Spieler springt von einem Felsvorsprung ab, öffnet den Gleiter – und das angesammelte Tempo aus dem Sprung überträgt sich direkt auf den Gleitflug. Landet er, rollt der Charakter ab und läuft weiter, alles in einem einzigen flüssigen Bewegungsablauf.

Johanson bezeichnet das als das erste MMO mit einem vollständigen transitiven Bewegungssystem. Klingt technisch – fühlt sich aber in der Demo eher wie ein modernes Actionspiel an als wie World of Warcraft. Vergleiche mit Breath of the Wild machten in der Berichterstattung schnell die Runde, und sie treffen nicht ganz daneben.

Momentum betrifft aber nicht nur die Fortbewegung. Es greift direkt in den Kampf ein. Kevin Stocker, Combat Lead bei ArenaNet, spielte in der Demo einen Krieger, dessen spezielle Fähigkeit Schaden basierend auf der Fallhöhe skaliert. Eine Wandlauf-Sequenz endet mit einem Bodenschlag auf eine Gruppe Gegner – mit deutlich mehr Schaden und in einem größeren Radius, als wenn der Angriff aus dem Stand ausgeführt wird.

MMO-Welten sind meistens wie Schluchten aufgebaut. Wir wollten eine Welt gestalten, in der ihr den vollen dreidimensionalen Raum nutzt. – Colin Johanson, Studio-Leiter, ArenaNet

Klassen, Combos und Teamkämpfe

Die Demo zeigte bisher nur die Kriegers-Klasse, doch Johanson und Stocker machten deutlich, dass das Momentum-System für alle Klassen gilt – mit klassenspezifischen Variationen. Nekromanten nutzen eine horizontale Peitschenhieb-Fähigkeit, die mit mehr Tempo weiter reicht und dabei Lebensenergie entzieht. Ranger schießen Pfeile im Gleitflug und sinken dabei langsam, wie eine lebende Scharfschützen-Drohne aus der Luft.

Was außerdem neu ist: Multiplayer-Kombos zwischen Klassen. Spieler können sich gegenseitig als Absprungbrett nutzen, etwa vom Schild eines Verbündeten abfedern und dann mit gesteigertem Momentum auf Feinde herabbrettern. Das verleiht Gruppenangriff in Guild Wars 3 eine taktische Dimension, die über die klassische Rollenverteilung hinausgeht.

Terrain bleibt nicht neutral: Gegner können in Wände gedrängt werden, um sie zu betäuben. Größere Feinde sind schwerer zu bewegen, aber nicht unberührbar – mit genug angesammeltem Tempo lassen sich auch Bosse ein paar Meter verschieben. Das schafft Positionierungsfragen, die in vielen MMOs schlicht nicht existieren.

Controller-Support vom ersten Tag an: Guild Wars 3 soll vollständig mit Controller spielbar sein – ein erstes Mal für die Guild-Wars-Reihe. Das Spiel erscheint auf PC und erstmals auch auf PS5. Die UI ist laut ArenaNet speziell auf Controller-Eingaben ausgelegt.

Beta im Herbst 2027 – Hochfliegende Versprechen

Guild Wars 3 befindet sich aktuell in der Pre-Alpha. Die Gamescom-Demo war nach Aussage von ArenaNet ein roher Build mit noch nicht finalisierten Grafiken und einem teils instabilen Frame-Rate. Das Studio hat betont, dass Optik und Performance bis zum Beta-Test deutlich verbessert sein werden.

Die Beta ist für Herbst 2027 geplant, zunächst auf PC. Ein Launch-Datum gibt es noch nicht. Publisher ist NCSoft, Entwickler ArenaNet – das selbe Duo, das Guild Wars 2 herausgebracht hat und jetzt mit dem dritten Teil an einem Punkt angelangt ist, an dem nichts mehr so ist wie zuvor.

Ob Momentum wirklich hält, was die Demo verspricht, wird erst die Beta zeigen. Was die Gamescom-Präsentation gezeigt hat: ArenaNet hat ein echtes, erklärbares Konzept – kein Wunschbild, sondern ein spielbares System, das in der Alpha genau das macht, was es verspricht. Ob das MMO-Fans überzeugt, die jahrelange Enttäuschungen mit Genre-Versprechen hinter sich haben, ist die eigentlich interessante Frage. Die Antwort kommt 2027.

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