Riot-Chef zum LoL-MMORPG: „Die Gralssuche – und viele Ritter werden dabei sterben“
SpieleNachrichten
Gaming Nachrichten

Riot-Chef zum LoL-MMORPG: „Die Gralssuche – und viele Ritter werden dabei sterben“

7 September 2026 · 4 min read · Nachrichten

Fünf Jahre. So lange ist es her, dass Riot Games das League-of-Legends-MMO offiziell ankündigte – und bis heute gibt es weder einen Titel noch Gameplay-Material noch ein Releasefenster. Auf der PAX West 2026 hat Riot-Mitgründer Marc Merrill nun etwas Seltenes geleistet: Er sprach offen darüber, was das Studio wirklich denkt, was es da versucht – und welche Risiken es dabei bewusst eingeht.

Merrills Antwort ließ an Klarheit nichts zu wünschen übrig. Intern nenne das Team das MMORPG schlicht „den heiligen Gral“ – und der Vergleich sei durchaus ernst gemeint.

Merrills Botschaft von der PAX West 2026

Im Gespräch mit Greg Miller von Kinda Funny Games auf der PAX West in Seattle sagte Merrill: „Wir wissen, welche Hoffnungen und Träume die Spieler haben. Es liegt jetzt nur an uns als Team – können wir bei der Ausführung erfolgreich sein?“ Und dann kam der viel zitierte Satz: „Intern nennen wir es die Gralssuche. Scheiß drauf, viele tapfere Ritter werden auf der Gralssuche sterben. Aber es ist der heilige Gral – also los.“

Diese Einstellung, so Merrill, versuche Riot im gesamten Team zu verankern. Das sei schwer im großen Maßstab, aber er sei zuversichtlich: „Die Zukunft sieht unglaublich vielversprechend aus.“ Trailer, Gameplay oder einen Titel gab es auf der PAX West nicht zu sehen.

Der aktuelle Stand: Das LoL-MMORPG spielt im Runeterra-Universum von League of Legends. Es gibt weder einen offiziellen Titel noch Gameplay-Footage. Marc Merrill hat angedeutet, dass das Spiel vor 2030 erscheinen soll. Executive Producer ist Fabrice Condominas.

WoW-Veteranen sollen den Unterschied machen

Dass die Gralssuche keine leeren Worte sind, zeigt ein Blick auf die jüngsten Personalentscheidungen. Riot hat in den vergangenen Monaten gezielt erfahrene Entwickler von World of Warcraft ins Projekt geholt. Im Januar 2026 stieß Raymond Bartos hinzu, ehemaliger Lead Producer von WoW. Im Juni folgte Brian Holinka, ehemaliger Lead Combat Designer bei Blizzard – verantwortlich für einige der zentralen Kampfsysteme der WoW-Geschichte.

Dazu kommt Orlando Salvatore als Lead Software Engineer, ebenfalls mit Blizzard-Vergangenheit. Das Muster ist eindeutig: Riot baut das Team mit Leuten auf, die bereits bewiesen haben, dass sie ein erfolgreiches MMORPG tragen können. Nach dem Entwicklungs-Reset im März 2024 – als Merrill offen zugab, die ursprüngliche Vision sei „nicht anders genug von dem, was man heute spielen kann“ – scheint das neue Fundament solider.

Das Runeterra-MMO wurde erstmals im August 2021 angekündigt. In den folgenden Jahren verließen mehrere hochrangige Entwickler das Projekt. Der einschneidendste Moment kam im März 2024: Merrill bestätigte einen vollständigen Neustart der Entwicklungsrichtung. Die ursprüngliche Vision sei schlicht nicht einzigartig genug gewesen. Was seitdem entsteht, bleibt im Verborgenen – aber die Personalentscheidungen deuten darauf hin, dass Riot die Latte bewusst höher gelegt hat.

Skepsis nach dem 2XKO-Aus

Nicht alle reagierten auf Merrills Aussagen mit Begeisterung – und das ist verständlich. Keine drei Wochen vor seinem PAX-Auftritt hatte Riot bestätigt, dass das Prügelspiel 2XKO – ein League-of-Legends-Ableger, der erst Ende 2025 erschienen war – im Dezember 2026 den aktiven Betrieb einstellt. Das Spiel hatte schlicht zu wenige Spieler, um wirtschaftlich tragfähig zu sein.

In der Gaming-Community machte sich Ernüchterung breit. „Die hypen dieses MMO hoch, als würden sie es nicht nach sechs Monaten abschießen, wenn es nicht größer als WoW wird“, kommentierte ein Nutzer auf X. Der Vergleich mit 2XKO liegt nahe – und Merrill weiß das. Umso auffälliger, dass er sich auf der PAX West keine defensiven Ausweichmanöver leistete, sondern das Risiko direkt ansprach.

Dabei ist die Skepsis nicht irrational. MMORPGs gehören zu den aufwendigsten und risikoreichsten Projekten der Spielebranche. New World von Amazon, Anthem von BioWare – die Liste der ambitionierten MMO-Projekte, die hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind, ist lang. Riot hat eine riesige und loyale Spielerbasis mit League of Legends aufgebaut. Das macht das MMO-Experiment gleichzeitig lukrativer und gefährlicher: Nichts wäre schädlicher, als das Runeterra-Universum durch einen missglückten MMO-Ableger zu beschädigen.

Was wir wissen – und was nicht

Bekannt ist: Das Spiel ist in aktiver Entwicklung, spielt im Runeterra-Universum von League of Legends, hat ein erfahrenes Team aus MMO-Veteranen und soll laut Merrill vor 2030 erscheinen. Unbekannt ist weiterhin: der Titel, das Spielprinzip, die Plattformen und jede Art von Gameplay.

Fünf Jahre nach der Ankündigung bleibt die Community in einer eigenartigen Warteschleife – zu viel erfahren, um das Interesse zu verlieren, aber zu wenig gesehen, um Vertrauen aufzubauen. Merrills PAX-Auftritt war ehrlicher als vieles, was man von großen Studios zu hören bekommt. Ob das genügt, wird der Spieler entscheiden – irgendwann vor 2030.

🎮
Bleib auf dem Laufenden

EverythingEdinburgh bringt dir die neuesten Gaming- und Esports-Nachrichten auf Deutsch

Mehr Gaming-Nachrichten → Follow on Google
EverythingEdinburgh Gaming
EverythingEdinburgh Gaming
Gaming-Redaktion

Das Gaming-Team von EverythingEdinburgh berichtet über Esports, PC, Konsolen und Neuigkeiten aus der Spielebranche.