70 Millionen Dollar. Das ist die Zahl, die die Gaming-Welt gerade aufhorchen lässt. Wardogs, der Taktik-Shooter von Bulkhead Interactive, hat laut Alinea-Analytics-Analyst Rhys Elliott bereits mehr Umsatz generiert als Bungies Marathon – und das, obwohl Wardogs bisher ausschließlich auf dem PC verfügbar ist, während Marathon auch auf der PlayStation 5 läuft.
Die Daten zeigen: Seit dem Early-Access-Start am 10. September hat das Spiel auf Steam über 2,2 Millionen Exemplare verkauft. Damit belegt das Spiel Platz sieben der bestverkauften Steam-Neustarts des Jahres 2026 nach Umsatz – eine bemerkenswerte Leistung für einen Titel, der noch nicht einmal vollständig veröffentlicht ist.
Zum Vergleich: Arc Raiders und Helldivers 2 gelten als zwei der größten Multiplayer-Erfolgsgeschichten der jüngeren Vergangenheit. Dass Wardogs beide in der Launch-Phase überholt hat, ist keine Kleinigkeit – und zeigt, wie weit der Taktik-Shooter-Markt gewachsen ist, seit Battlefield seine Dominanz verloren hat. Zehntausende ehemalige Battlefield-Fans hatten in den Wochen vor dem Release über Wardogs geschrieben – der Hunger nach einem ernsthaften, authentischen Multiplayer-Kriegsspiel war offenkundig groß.
Die Zahlen im Überblick: 2,2 Millionen Käufer, 70 Millionen Dollar
Der Vergleich mit anderen großen Steam-Hits des Jahres macht die Dimension des Wardogs-Erfolgs deutlich. Setzt man die Verkaufszahlen im gleichen Zeitraum nach Launch ins Verhältnis, liegt Wardogs klar vorne:
- Wardogs (PC): 2,2 Millionen Kopien · 70 Millionen Dollar Umsatz
- Arc Raiders: 1,7 Millionen Kopien (gleicher Startzeitraum)
- Helldivers 2: 1,0 Millionen Kopien (gleicher Startzeitraum)
- Marathon (alle Plattformen): weniger Umsatz als Wardogs allein auf PC
Besonders der Vergleich mit Marathon trifft ins Mark: Während Bungie mit Marathon auf einen mühsamen Launch zurückblickt und das Studio sich öffentlich „im Kampf um die Langlebigkeit” sieht, fegt Wardogs die Zahlen vom Tisch – und das mit nur einer Plattform.
Zum Vergleich: Wardogs, Arc Raiders und Helldivers 2 wurden alle zum gleichen Einführungspreis von 40 Dollar veröffentlicht. Das macht den Launch-Momentum-Vergleich besonders aussagekräftig.
Wardogs gegen Marathon: Ein Vergleich, der Bungie schmerzt
Elliott betonte in seiner Analyse, dass der Vergleich zwischen Wardogs und Marathon besonders aufschlussreich ist – schließlich kämpfen beide Spiele um die gleiche Zielgruppe im Multiplayer-Markt. Marathon lief trotz PlayStation-Exklusivität in den ersten Wochen schleppend an, während der Taktik-Shooter allein auf Steam eine Massenbewegung auslöste.
Zum Launch am 10. September drängten sich über 340.000 gleichzeitige Spieler auf die Wardogs-Server – so viele, dass die Infrastruktur unter der Last zusammenbrach. Das Studio selbst warnte Neukäufer zeitweise, das Spiel nicht zu kaufen, bis die Server stabilisiert seien. Trotzdem: Die Spieler kamen. Über eine Million Exemplare waren innerhalb der ersten Stunden verkauft, Wardogs kletterte zwischenzeitlich auf Platz drei der meistgespielten Steam-Titel, hinter Counter-Strike 2 und Dota 2.
„Wardogs trifft den modernen Preissüßpunkt – günstiger als ein 70-Dollar-Triple-A-Titel, aber teuer genug, um Käufer zu konvertieren, die bei höheren Preisen abspringen.” — Rhys Elliott, Alinea Analytics
Warum der 40-Dollar-Preis der entscheidende Faktor war
Die Preisstrategie ist nicht nur ein Randdetail – sie ist ein zentraler Bestandteil des Wardogs-Erfolgs. Der Analyst Rhys Elliott beschreibt es präzise: 40 Dollar ist der Preis, bei dem Spieler, die 70 Dollar für ein Triple-A-Spiel zu viel finden, trotzdem zuschlagen. Arc Raiders und Helldivers 2, beide ebenfalls zu 40 Dollar gestartet, zeigen: Dieser Preispunkt funktioniert für qualitativ hochwertige Multiplayer-Spiele.
Interessant auch: 57 Prozent aller Steam-Wishlist-Einträge für Wardogs wurden im letzten Monat vor Launch hinzugefügt. Das deutet auf einen „späten, heißen Hype-Zyklus” hin – kein langsam aufgebautes Interesse, sondern eine explosive Spätphase, die den Launch-Schwung entscheidend befeuerte. 11 Prozent der Wishlist-Nutzer konvertierten letztlich zu Käufern.
Für Console-Spieler: PS5- und Xbox-Versionen von Wardogs sind in Entwicklung, sollen aber erst 2028 erscheinen. Wer nicht warten will, ist auf den PC verwiesen – und der scheint Wardogs gerade mehr als genug Heimat zu bieten.
Crunch und Kontroverse: Schatten über dem Erfolg von Bulkhead
Der strahlende Erfolg hat allerdings einen Schatten. Studio-CEO Joe Brammer sorgte mit einem Podcast-Auftritt für Aufruhr, in dem er offen über die Arbeitskultur im Studio sprach – inklusive Anmerkungen zu Crunch und Einstellungskriterien, die in der Gaming-Community heftig diskutiert wurden. Brammer stellte die Kommentare später als informelles Gespräch über die Studio-Kultur klar, das missverstanden worden sei.
Die Zahlen sprechen für Wardogs. Die Frage, wie sie zustande kommen, bleibt eine andere – und für eine Branche, die sich zunehmend mit Arbeitsbedingungen auseinandersetzt, ist das eine wichtige Debatte.

