Zoom-Call, Schock und Xbox: Hideo Kojima erklärt das Ende seiner Sony-Partnerschaft
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Zoom-Call, Schock und Xbox: Hideo Kojima erklärt das Ende seiner Sony-Partnerschaft

21 September 2026 · 4 min read · Nachrichten

„Ich war im Schockzustand. Ich konnte nicht wirklich verarbeiten, was sie da gesagt hatten.” Mit diesen Worten beschreibt Hideo Kojima den Moment, als Sony Interactive Entertainment im Juni 2026 über einen Zoom-Call das Ende der Zusammenarbeit an Physint bekanntgab — ohne Vorwarnung, ohne klare Begründung. Es war das Ende einer über 30-jährigen Partnerschaft, die einige der bedeutendsten Spiele der Geschichte hervorgebracht hatte. Metal Gear Solid, Death Stranding — alles Vergangenheit, in einem einzigen Anruf.

Im ersten Interview seit diesem Paukenschlag hat Kojima gegenüber IGN-Japan erstmals im Detail geschildert, was in jenem Zoom-Call wirklich geschah, wie er die Krise bewältigte — und warum es letztendlich Xbox war, der Physint rettete.

Der Zoom-Call, der alles veränderte

Es war im Juni 2026, als Sony Hideo Kojima zu einem Zoom-Gespräch einlud. Kojima brachte Shinji Hirano, den Präsidenten von Kojima Productions, und Talent-Development-Chefin Aki Saito mit. Was dann folgte, beschreibt Kojima als einen der schwersten Momente seiner Karriere: Sony teilte mit, die Finanzierung von Physint nicht weiterführen zu können. Fertig. Keine detaillierte Erklärung.

Physint ist das Spionage-Action-Spiel, das Kojima als spirituellen Metal Gear-Nachfolger anlegt — ein Projekt, für das PlayStation jahrelang als exklusiver Partner fungierte. Kojima glaubte, das Spiel sei sicher vor den Turbulenzen der Branche. Diese Überzeugung zerschlug sich innerhalb weniger Minuten.

Rund 200 Menschen arbeiten bei Kojima Productions. 2026 war ein besonders hartes Jahr für die Spielebranche — zahlreiche Studios schlossen, Projekte wurden eingestellt. Umso schwerer wog für Kojima die Sorge, dass Sony ihn zwingen könnte, genau das zu erleben, was er anderen Entwicklern aus der Ferne beobachtet hatte.

Bloomberg berichtete später, dass Sonys Entscheidung auf verpasste Deadlines, Budgetprobleme und die als enttäuschend wahrgenommene kommerzielle Performance von Death Stranding 2 zurückzuführen sei. Kojima Productions widersprach dieser Darstellung mit einem offiziellen Statement: Das Studio befinde sich in einem „gesunden, profitablen Zustand”.

Wie Xbox Physint rettete

Nach dem ersten Schock hatte Kojima einen einzigen Gedanken: seine rund 200 Mitarbeiter schützen. „Ich wollte ihnen nicht sagen müssen, dass das Spiel abgebrochen wird. Ich wollte nicht dasselbe tun wie mit P.T.” — eine direkte Anspielung auf das legendäre, abrupt eingestellte Silent Hills-Projekt, dessen Ende bis heute schmerzt.

Statt Physint als einzelnes Spiel zu pitchen — „das wäre sehr altmodisch” — entschied Kojima, das Spionage-IP als breites Franchise mit Potenzial für Filme, Serien, Anime und Comics zu präsentieren. Diesen Ansatz brachte er zu Xbox, mit denen Kojima Productions bereits am Horrorspiel OD zusammenarbeitet. Xbox-Chefin Asha Sharma reagierte schnell: Physint wurde gerettet.

„Ich habe mich Microsoft angenähert und sie waren großartig. Sie können uns technisch und bei allem, was ich verwenden kann, unterstützen.” — Hideo Kojima

Erscheint Physint noch auf PlayStation?

Die naheliegendste Frage: Kommt Physint noch für PlayStation 5 oder PlayStation 6? Kojima antwortet zurückhaltend — aber schließt es nicht aus. „Die Antwort kenne ich nicht — das wäre eher eine Frage für Xbox”, sagte er. Er verwies auf Microsofts bekannte Strategie, Spiele auf möglichst vielen Plattformen zugänglich zu machen. Eine definitive Entscheidung sei noch nicht gefallen.

Auch die Game-Engine steht noch nicht fest. Kojima Productions hatte für Death Stranding 1 und 2 die Decima Engine von Guerrilla Games genutzt — einem Sony-Studio. Da diese Verbindung nun entfallen ist, steht möglicherweise ein Wechsel zur Unreal Engine bevor. Kojima selbst sagte, er befinde sich „noch in der Experimentierphase” und wolle alle verfügbaren Technologien prüfen, die Microsoft und Xbox bereitstellen können. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen.

Kein Groll — aber ein stiller Wunsch

Trotz allem hegt Kojima keinen Groll gegenüber Sony. „Von meiner Seite — ich liebe Sony. Ich habe keine schlechten Gefühle ihnen gegenüber.” Gleichzeitig formulierte er einen stillen Wunsch: Nach 30 Jahren Zusammenarbeit hätte er es gerne früher erfahren. Die finale Mitteilung kam ohne Vorwarnung — kein Gespräch, keine frühen Signale. Das schmerze, auch wenn er es verstehen könne.

Bereits kurz nach der Bestätigung des Xbox-Deals gab es erste konkrete Neuigkeiten zu Physint: Schauspieler Bill Skarsgård — bekannt als Pennywise aus Stephen Kings It — wurde als Hauptcharakter des Spiels bestätigt. Das unterstreicht Kojimas Ambition, Physint als großes, cineastisches IP aufzubauen, das weit über das reine Gaming hinausgehen soll.

Sony hat sich seit jenem Anruf nicht mehr bei Kojima gemeldet. Die Gaming-Welt wartet nun gespannt, was aus Physint wird — und ob das Spiel am Ende doch noch auf PlayStation erscheint. Eines ist sicher: Hideo Kojima wird nicht aufhören, Geschichten zu erzählen.

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