Razer hat in der Vergangenheit RGB-Beleuchtung in Mäuse, Tastaturen, Headsets und sogar Atemschutzmasken eingebaut. Der nächste logische Schritt war ein Stuhl – und der heißt Razer Soma Chroma. Für rund 500 Euro verspricht er komfortables Sitzen und ein RGB-Lichtspektakel, das in Echtzeit auf mehr als 300 Chroma-kompatible Spiele reagiert. Was das in der Praxis bedeutet, ist etwas komplizierter.
Was den Soma Chroma von anderen Gaming-Stühlen unterscheidet
Der Razer Soma Chroma ist Razers erstes sogenanntes „Immersive Furniture” – eine Kategorie, die der Hersteller selbst geprägt hat. Das Kernversprechen: vollständig integrierte Chroma-RGB-Beleuchtung, die kabellos mit dem PC kommuniziert. Über den mitgelieferten HyperSpeed-Wireless-Dongle (USB-A) verbindet sich der Stuhl mit dem Spielrechner und synchronisiert seine Lichter mit dem Spielgeschehen.
Das System unterstützt 16,8 Millionen Farben und zehn über Razer Synapse konfigurierbare Beleuchtungsvoreinstellungen. Neu ist dabei der Stromanschluss: Der Stuhl benötigt eine externe Akkueinheit, die separat geladen und befestigt werden muss. Das ist ein Detail, das in der Praxis für Gesprächsstoff sorgt – denn ohne diesen Akku bleibt der Soma Chroma ein gewöhnlicher Gaming-Stuhl.
Komfort und Verarbeitung – das Wesentliche stimmt
Abseits der Beleuchtung überzeugt der Soma Chroma handwerklich. Der Stahlrahmen und das fünffache Stahlfußkreuz sorgen für stabile Konstruktion. Das Sitzpolster besteht aus kaltgehärtetem Schaumstoff mit zwei unterschiedlichen Dichten: eine weiche obere Schicht für angenehmes Sitzen, eine festere Basis für Langzeitstabilität. Die integrierte Lordosenstütze entlastet den unteren Rücken ohne separate Kissen.
Die Rückenlehne lässt sich bis auf 155 Grad neigen – gut für entspannte Sitzpositionen beim Zuschauen oder Streamen. Die Sitztiefe beträgt 47 cm. Der Stuhl ist für Personen zwischen 160 und 200 cm ausgelegt und trägt bis zu 150 Kilogramm. Die Garantie umfasst drei Jahre.
Das RGB-System: Beeindruckend, aber mit Einschränkungen
Die Chroma-Beleuchtung sitzt in Kopfhöhe hinter der Rückenlehne – gut sichtbar für alle im Raum, weniger für die Person, die tatsächlich spielt. Darin liegt der zentrale Widerspruch des Soma Chroma: Das Lichtsystem reagiert auf Spielgeschehen, wird aber in erster Linie von Zuschauern oder Mitbewohnern wahrgenommen, nicht vom Spieler selbst.
Nicht alle Chroma-kompatiblen Spiele synchronisieren sich reibungslos. Manche Titel setzen die Beleuchtungseffekte zeitverzögert um, andere nicht vollständig. Wer ein vollständig harmonisches Setup erwartet, in dem Stuhl, Tastatur und Bildschirm perfekt im Takt leuchten, sollte die Erwartungen etwas dämpfen.
Technische Eckdaten: 499,99 USD / 499,99 GBP · Stahlrahmen · kaltgehärtetes Schaumstoff-Polster · Rückenlehne 90–155° · 160–200 cm Körpergröße · max. 150 kg · HyperSpeed-Dongle inklusive · externe Akkueinheit erforderlich · 3 Jahre Garantie.
Für wen lohnt sich der Soma Chroma wirklich?
Der Razer Soma Chroma ist kein schlechter Stuhl. Er sitzt gut, ist solide verarbeitet und sieht in einem Gaming-Setup mit Chroma-Beleuchtung tatsächlich eindrucksvoll aus. Das Problem ist die Zielgruppe: Wer 500 Euro für einen Gaming-Stuhl ausgibt und Komfort und Ergonomie priorisiert, findet in dieser Preisklasse Alternativen ohne das RGB-Aufpreis-Kalkül.
Wer hingegen ein vollständig Chroma-synchronisiertes Setup betreibt, Razer-Geräte generell schätzt und einen Stuhl sucht, der auch optisch etwas hermacht – für Streaming, Content Creation oder einfach weil das Ambiente stimmen soll –, der ist mit dem Soma Chroma gut bedient. Für alle anderen gilt: Erst sitzen, dann kaufen.
In einem Setup-Markt, der von ästhetischen Entscheidungen geprägt ist, hat der Soma Chroma seinen Platz. Wer bereits Razer-Peripherie mit Chroma-Unterstützung besitzt – Maus, Tastatur, Mousepad, Headset – schließt mit dem Soma Chroma das visuelle Kreislaufsystem seines Setups. Ein Nischenprodukt, ohne Zweifel. Aber kein schlechtes.
„Sure, a chair that lights up. Why not?” – PC Gamers Fazit zum Razer Soma Chroma fasst es besser zusammen als jede Wertung.
Der Razer Soma Chroma ist ab sofort erhältlich – über Razers Website und ausgewählte Händler – zum Preis von 499,99 USD beziehungsweise 499,99 GBP. Eine europäische Preisangabe in Euro wurde bislang nicht offiziell kommuniziert.
Interessant ist der Vergleich zu anderen RGB-erweiterten Produkten in Razers Ökosystem. Während eine RGB-Tastatur oder ein beleuchtetes Headset direkte Interaktion mit der Beleuchtung ermöglicht – der Spieler sieht die Lichteffekte, wenn er tippt oder Musik hört –, ist der Stuhl ein passives Lichtelement. Die Frage ist legitim: Für wen macht das Sinn? Für Streamer, deren Kamera den Stuhl einfängt, ist es ein klares Setup-Feature. Für denjenigen, der allein spielt und arbeitet, ist es ein nettes Extra, das kaum auffällt.

