Während der Tokyo Game Show kursierte ein Gerücht, das die Gaming-Industrie aufhorchen ließ: Xbox zahle 400 Millionen Dollar für Hideo Kojimas neues Stealth-Action-Spiel Physint. Die Zahl verbreitete sich schnell – in Insider-Kreisen, auf Social Media und in Gaming-Medien rund um den Globus. Jetzt haben zwei der bekanntesten Brancheninsider diese Zahl öffentlich widerlegt – und liefern dabei einen ungewöhnlichen Einblick in die Finanzierungsmechanismen hinter einem der ambitioniertesten Gaming-Projekte der Gegenwart.
Zur Vorgeschichte: Sony und PlayStation wollten Physint ursprünglich finanzieren. Die Verhandlungen zwischen Kojima Productions und PlayStation scheiterten jedoch Anfang September 2026 – nach Angaben von Bloomberg-Reporter Jason Schreier an Budget, Zeitplan, Exklusivität und IP-Rechten. Xbox sprang anschließend ein und sicherte sich den Deal. Als Hauptdarsteller wurde Bill Skarsgard bestätigt. Kojima Productions veröffentlichte daraufhin eine Erklärung: Fans sollten Physint-Gerüchten gegenüber skeptisch bleiben.
Woher die 400-Millionen-Zahl stammt
Chris Dring von The Game Business war der erste, der berichtete, Microsoft wolle rund 400 Millionen Dollar für Physint ausgeben. Die Zahl wurde in der Branche sofort aufgegriffen. Laut PC Gamer kursieren in Tokioter Gaming-Kreisen Budgetsummen zwischen 300 und 600 Millionen Dollar – wobei 400 Millionen am häufigsten genannt wird. Ob Xbox diesen Betrag tatsächlich zahlt, blieb unbestätigt. Microsoft äußerte sich nicht zu Budgetzahlen, Kojima Productions ebenfalls nicht.
In diesem Informationsvakuum übernahmen Insider die Einordnung – und lieferten das eigentlich Interessante: nicht nur einen Widerspruch zur 400-Millionen-Zahl, sondern auch eine Erklärung, woher sie stammen könnte.
Was Schreier und Corden berichten
Jason Schreier, dessen Recherchen über Spielebudgets und Studio-Interna in der Branche als verlässlich gelten, erläuterte die Situation auf YouTube. Er betonte die Vielzahl verschiedener relevanter Budgetzahlen für ein einziges Projekt: Es gibt die ursprüngliche PlayStation-Summe, den Betrag nach Verhandlungen, die Kosten mit bestimmten A-List-Schauspielern, den finalen Xbox-Betrag – und die tatsächlichen Gesamtkosten bis zur Fertigstellung. Keine dieser Zahlen ist identisch.
“Jemand bei Xbox mit direktem Wissen über den Deal sagte mir, dass sie Physint für deutlich weniger als 400 Millionen Dollar unterschrieben haben.” – Jason Schreier, Bloomberg
Jez Corden von Windows Central ergänzte eine wichtige Nuance: Die 400-Millionen-Zahl könnte die Summe sein, für die Sony bis zum Projektabbruch verantwortlich gewesen wäre. “Xbox und Kojima Productions arbeiten auf Basis eines Bruchteils dieser Summe”, sagte Corden auf Grundlage von Quellen mit direktem Wissen über die Verträge. Er ergänzte außerdem: Der Deal umfasse nicht nur Physint, sondern auch Movie- und TV-Lizenzen für die Physint-IP sowie verbesserte Konditionen für OD – Kojimas atmosphärisches Horror-Spiel, das ebenfalls für Xbox angekündigt wurde.
Was der Xbox-Deal tatsächlich umfasst
Das Bild, das sich aus den Berichten ergibt: Xbox hat mit Kojima Productions einen Paketdeal geschlossen, der weit über ein einzelnes Spiel hinausgeht. Neben Physint sind Film- und Serienadaptionen der IP geplant. Microsoft versucht damit, sich ein potenzielles Franchise-Universum zu sichern – ähnlich wie PlayStation es einst mit Death Stranding versuchte, bevor Kojima das Spiel auf weitere Plattformen brachte.
Die Gesamtsumme des Deals liegt laut den Insidern deutlich unter 400 Millionen Dollar, enthält aber mehrere Produkte und Rechte gleichzeitig. Was genau Sony bereit gewesen wäre zu zahlen – oder was Kojima Productions tatsächlich gefordert hatte – bleibt unklar. Schreier betont: Keine der kursierenden Summen ist unabhängig bestätigt. Chris Dring von The Game Business hat mittlerweile präzisiert, dass der Xbox-Betrag “deutlich weniger” sei als die Zahlen, die Sony gegenüber gefordert wurden.
Was offiziell bekannt ist: Physint ist ein Stealth-Action-Spiel von Hideo Kojima mit Bill Skarsgard in der Hauptrolle. Das Spiel erscheint zuerst für Xbox. Alle Budgetzahlen sind weiterhin unbestätigt.
Ob ein kompakteres Budget das Endprodukt beeinflusst, bleibt abzuwarten. Kojima Productions hat mit Death Stranding gezeigt, dass starke kreative Visionen nicht zwingend das größte Budget brauchen. Die Spieler werden am Ende über die Qualität urteilen – unabhängig von den Summen, die im Hintergrund verhandelt wurden.

