Seit Mitte August überschlagen sich die Ereignisse: Unter dem Pseudonym „Cyberleek“ tauchen täglich neue Gameplay-Clips aus einer offenbar spielbaren Build-Version von Grand Theft Auto VI im Netz auf. Die Videos zeigen bisher ungesehene Bereiche der Spielwelt, neue Features und sogar die Hauptfigur Jason in Aktion. Jetzt reagiert Take-Two Interactive mit voller juristischer Härte — und nimmt gleich zwei Tech-Giganten ins Visier.
DMCA-Subpoenas gegen Microsoft und Discord
Am 20. August 2026 hat Take-Two beim US-Bundesgericht im Southern District of New York offizielle DMCA-Vorladungen eingereicht. Die Anträge richten sich an Microsoft und Discord — nicht als Klage, sondern als Auskunftsersuchen nach § 512(h) des US-Copyright-Act. Das Ziel: die Identität der Person oder Gruppe hinter Cyberleek aufzudecken.
Die Forderungen sind umfangreich. Von Microsoft verlangt Take-Two unter anderem:
- Account-IDs und Registrierungs-E-Mails
- IP-Adressen bei Anmeldung und letztem Log-in
- Telefonnummern und verknüpfte Google- und Xbox-Konten
- Gerätekennungen
- OneDrive-Inhalte mit Bezug zu „GTA“, „Rockstar“ oder „Cyberleek“
Discord soll Identifikationsdaten aller Konten liefern, die seit dem 1. Juni 2026 auf bestimmten Servern aktiv waren — darunter auch der Editoren-Server des bekannten GTA-5-Streamers DarkViperAU. Beide Unternehmen haben bis zum 4. September 2026 Zeit, die Unterlagen einzureichen.
Microsoft arbeitet aktiv mit
Überraschenderweise stellt sich Microsoft nicht gegen die Vorladungen. Scott Van Vliet, Chief Technology Officer der Xbox-Sparte, erklärte öffentlich: „Wir arbeiten eng mit Take-Two und Rockstar Games zusammen, um die Bemühungen zum Schutz kreativer Arbeiten und geistigen Eigentums zu unterstützen.“ Discord bestätigte ebenfalls, gültigen DMCA-Vorladungen nachkommen zu wollen.
Die Richter haben die Anordnungen bereits unterschrieben, die Vorladungen wurden allerdings noch nicht ausgestellt. Bislang sind folglich noch keine Daten übermittelt worden.
Rockstar tappt im Dunkeln
Trotz der aggressiven juristischen Offensive ist unklar, wer tatsächlich hinter Cyberleek steckt. Laut Berichten von Bloomberg arbeitet Rockstar intern mit Hochdruck an der Aufklärung — „all hands on deck“ sei angesagt. Die Clips könnten aus einer frühen spielbaren Build-Version stammen, aber wie genau sie beschafft wurden, bleibt ungeklärt.
Cyberleek hat unterdessen mit einer Drohung eskaliert: Sollten die rechtlichen Schritte nicht gestoppt werden, lande der vollständige Entwickler-Build von GTA 6 im Netz und werde „Millionen von Gamern“ zur Verfügung gestellt.
Marketingplan bleibt unangetastet
Rockstar und Take-Two lassen sich von der Situation nicht beirren. Der offizielle Gameplay-Reveal „Grand Theft Auto VI: An Extended Look“ findet planmäßig am 27. August 2026 statt — zunächst exklusiv auf Netflix (21 Uhr deutscher Zeit), sechs Stunden später auf den offiziellen Rockstar-Kanälen.
Auch am Release-Termin rütteln die Leaks nicht: Grand Theft Auto VI erscheint weiterhin am 19. November 2026 für PlayStation 5 und Xbox Series X|S.
Erinnerungen an 2022
Die Situation erinnert an den historischen Leak im September 2022, als rund 90 Videos einer frühen GTA-6-Entwicklungsversion veröffentlicht wurden. Damals wurde ein Teenager aus Großbritannien als Verantwortlicher identifiziert und verurteilt. Ob Cyberleek ähnlich leicht zu fassen sein wird, bleibt abzuwarten — die juristischen Werkzeuge sind diesmal deutlich schärfer.
Was bedeutet das für die Community?
Die DMCA-Subpoenas könnten weitreichende Konsequenzen haben. Besonders die Discord-Anfrage betrifft potenziell Tausende Nutzer, die auf den genannten Servern aktiv waren — darunter viele unbeteiligte Spieler. Datenschützer könnten hier noch Fragen stellen.
Für die Gaming-Community bleibt die Situation spannend: Einerseits geben die Leaks einen beispiellosen Einblick in das kommende Spiel, andererseits untergraben sie die Marketingstrategie eines der größten Publisher der Branche.

