„Entschlossen, das Projekt am Leben zu erhalten, haben wir die letzten drei Monate damit verbracht, unermüdlich nach einem neuen Partner zu suchen.“ Mit diesen Worten erklärte Hideo Kojima auf X, was hinter dem spektakulärsten Publisher-Wechsel der Gaming-Geschichte 2026 steckt. Physint, sein kommendes Action-Spionage-Spiel, ist nicht länger ein PlayStation-Exklusivtitel – Xbox übernimmt die Publishing-Rechte. Und dass dieser Wechsel erst jetzt publik wurde, obwohl Sony das Projekt bereits im Juni gestoppt hatte, macht die ganze Sache noch dramatischer.
PlayStation zog im Juni überraschend die Reißleine
Mitte Juni 2026 erhielt Kojima Productions ohne Vorwarnung die Nachricht von PlayStation Studios: Das Physint-Projekt wird eingestellt. Was Sony in einer späteren offiziellen Stellungnahme als schwere Entscheidung nach sorgfältiger Überlegung umschrieb, erlebte Kojima offenbar sehr anders. In seiner eigenen Aussage benutzte er das Wort unerwartet – ein deutliches Signal, dass er und sein Team keinerlei Vorwarnung hatten.
Die Initiative kam eindeutig von Sony, nicht von Kojima Productions. Das Studio stand plötzlich ohne Publisher da. Drei Monate lang verhandelte Kojima Productions im Verborgenen, bevor die Öffentlichkeit überhaupt erfuhr, dass Physint als PlayStation-Projekt abgesägt worden war.
PHYSINT ist ein wichtiges Projekt – sowohl für mich persönlich als auch für Kojima Productions. – Hideo Kojima
Sony betonte in seinem Statement, die Bewunderung für Kojimas kreative Vision bestehe weiterhin, und die Beziehung nach dreißig Jahren gemeinsamer Zusammenarbeit bleibe intakt. Konkreter wurde der Konzern nicht. Es war eine sorgfältig formulierte Erklärung, die mehr verdeckt als erklärt. Warum man ein derart hochkarätiges Projekt fallen lässt, beantwortete Sony nicht – das übernahmen Insider.
Die Hintergründe: Budget und verpasste Deadlines
Ein Bloomberg-Bericht brachte Licht ins Dunkel. Laut gut informierten Quellen hatte Physint bereits mehrere Deadlines verpasst und war trotz eines noch weit entfernten Release-Termins deutlich aus dem Budget gelaufen. Sony, so der Bericht, glaube nicht, dass das Spiel je die Kosten einspielen würde.
Hinzu kamen enttäuschende Verkaufszahlen von Death Stranding und seinem Nachfolger – Titel, die Sony ebenfalls als Publisher begleitet hatte. Das Kalkül hinter der Entscheidung wird dadurch nachvollziehbarer: Ein Spiel, das Milliarden kosten könnte, keine Exklusivität garantiert und dessen Vorgänger die kommerziellen Erwartungen nicht erfüllt hatte, war ein schwer zu rechtfertigender Posten in einer Zeit, in der Sony seine Studio-Investitionen kritischer bewertet. Berichten zufolge wollte Sony zudem eine vollständige Exklusivität für Physint, die Kojima Productions jedoch ablehnte.
Zu beachten: Physint ist nach wie vor in Entwicklung und wird unter Xbox-Publishing fortgeführt. Weder ein Release-Datum noch eine vollständige Plattformliste wurden bisher bestätigt.
Xbox schlägt in Minuten zu
Was folgte, war bemerkenswert präzise getaktet. Am 9. September 2026 veröffentlichte PlayStation seine Stellungnahme – und innerhalb von zwei Minuten erschien auf dem offiziellen Xbox Wire Blog die Gegenmeldung: Xbox übernimmt das Publishing von Physint. Die kurze Zeitspanne zwischen beiden Statements lässt darauf schließen, dass die Ankkündigung von langer Hand geplant war.
Xbox-Chefin Asha Sharma sprach von einer Ehre, mit Kojimas Studio zusammenzuarbeiten, und betonte, dass Kojimas Ambition, Konventionen zu hinterfragen, genau die Art von Kreativität sei, die Xbox fördern wolle. Die Partnerschaft geht dabei weit über ein einzelnes Spiel hinaus: Neben Physint entwickelt Kojima Productions für Xbox bereits OD, ein Horror-Projekt in enger Zusammenarbeit mit dem Studio. Darüber hinaus sollen beide Unternehmen auch bei Film- und TV-Projekten kooperieren – ein Zeichen dafür, dass Xbox Kojima als langfristigen kreativen Partner sieht.
Für Xbox ist der Coup enorm. Mit OD und Physint hält Microsoft nun zwei der renommiertesten kommenden Spieleprojekte des berühmtesten Auteur-Entwicklers der Branche. Dass Sony, das drei Dekaden lang Kojimas bevorzugter Partner war, diesen Status verloren hat, dürfte in der PlayStation-Zentrale für lange Gesichter sorgen. Shuhei Yoshida, der ehemalige PlayStation-Europachef, kommentierte die Nachricht auf Social Media – und klang dabei genauso überrascht wie der Rest der Welt.
Was das für Physint und Spieler bedeutet
Physint bleibt ein Action-Spionage-Erlebnis, das Kojima selbst als genreprägend beschreibt – eine Rückkehr zu den Themen, mit denen er sich bei Metal Gear Solid einen Namen machte, diesmal mit modernster Technologie und Talenten aus Film und Spielebranche. Details zum Gameplay sind nach wie vor rar; bislang existieren nur einzelne In-Engine-Bilder.
Die Plattformfrage ist noch offen. Dass Physint auf Xbox-Konsolen und PC erscheinen wird, gilt als sicher – ob ein PlayStation-Release jemals folgt, ist dagegen unklar. Ursprünglich war das Spiel als PS6-Exklusivtitel geplant; mit dem Wechsel zu Xbox dürfte diese Vereinbarung hinfällig sein. Xbox hat bislang keine Exklusivität bestätigt und macht auch keine Aussage zu möglichen Multiplattform-Plänen.
Ein Release-Datum existiert bislang nicht. Physint gilt als Next-Gen-Projekt, das möglicherweise noch mehrere Jahre entfernt ist. Für Kojima Productions beginnt nun jedenfalls ein neues Kapitel – und Xbox hat sich damit einen der wertvollsten kreativen Köpfe der Spielebranche gesichert. Die Frage, ob Sony diesen Moment jemals verwinden wird, stellt sich die gesamte Gaming-Branche.

