„John Carmack hätte aus generativer KI so etwas wie Skynet gebaut“ – Tim Willits bei der Gamescom 2026
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„John Carmack hätte aus generativer KI so etwas wie Skynet gebaut“ – Tim Willits bei der Gamescom 2026

29 August 2026 · 4 min read · Nachrichten

Generative KI ist in der Spielebranche zum Dauerthema geworden – und keins, das ohne Kontroverse auskommt. Entlassungen, KI-Offenlegungspflichten auf Steam und öffentliche Debatten über den Einsatz von KI-Werkzeugen in der Spieleentwicklung haben das Thema in den letzten Monaten allgegenwärtig gemacht. Auf der Gamescom 2026 in Köln brachte Tim Willits, Chief Creative Officer von Saber Interactive und ehemaliger Mitinhaber von id Software, etwas Kontext in die Diskussion.

Willits, der id Software von 1995 bis 2019 mitverantwortete, sprach auf der Gamescom offen über die Strategie seines Studios, über die Kontroverse rund um Rideshare Simulator – und über die Frage, was John Carmack mit dieser Technologie gemacht hätte.

Saber Interactive und die Rideshare-Kontroverse

Wenige Wochen vor der Gamescom geriet Saber Interactive in die Kritik: Das Studio hatte auf Steam KI-Offenlegungen für seinen Rideshare Simulator verzögert – und wurde von einer ehemaligen Autorin beschuldigt, sie zugunsten von KI-generiertem Content entlassen zu haben. CEO Matthew Karch geriet zusätzlich unter Druck, nachdem er die Autorin öffentlich schlecht gemacht hatte. Er entschuldigte sich später.

Auf der Messe nutzte Willits die Gelegenheit zur Klarstellung. Die Hauptkampagne von Rideshare Simulator sowie alle Nebenmissionen seien vollständig von menschlichen Autoren geschrieben. Generative KI kommt ausschließlich im optionalen Free-Ride-Modus zum Einsatz – dort werden KI-generierte Passagiere, Dialoge und Aufträge eingesetzt.

Sabers KI-Position: In Hellraiser, Turok und Stuntman – den großen Saber-Titeln – wird laut Willits keine generative KI eingesetzt. Rideshare Simulator bleibt ein isoliertes Experiment.

„Keine KI in unseren großen Titeln“

Willits war in seiner Positionierung klar: „Wir bei Saber wollen herausfinden, wie wir diese Technologie nutzen können, und tun das in kleinem Maßstab. Wir sind wie alle anderen und versuchen gerade, das zu verstehen. Aber in unseren großen Titeln gibt es keine generative KI. Nicht in Hellraiser, nicht in Turok, nicht in Stuntman.“

Damit positioniert sich Saber als Studio, das die Technologie vorsichtig erprobt, ohne sie in seine Kernprodukte zu integrieren. Der Rideshare-Simulator – ein kleineres Projekt – dient als Testfeld. „Wenn du eine Wette eingehen willst, wenn du experimentieren willst, dann mach das bei etwas Kleinem. Du willst das Risiko nicht bei einem großen Spiel eingehen.“

Auf der Suche nach dem „Half-Life 2 der KI“

Trotz der Skepsis im Markt glaubt Willits fest an das Potenzial der Technologie. Die entscheidende Frage sei nicht ob, sondern wann und durch wen der Durchbruch kommt. Als Vergleich zog er den Start von Steam heran: „Als Steam auf den Markt kam, sagten die Leute: Ich installiere doch kein blödes Programm auf meinem Rechner! Heute würde der Weltuntergang eintreten, wenn Steam verschwinden würde. Ich denke, gib der Branche ein paar Jahre, und wir werden es herausfinden.“

Willits’ These: Irgendein Studio wird ein Spiel veröffentlichen, das beweist, wozu generative KI als Game-Mechanic fähig ist – ähnlich wie Half-Life 2 einst zeigte, wie Physik-Engines die Spielerfahrung transformieren können. „Jemand wird das Half-Life 2 der KI erschaffen. Jemand wird etwas so Erstaunliches bauen, dass es die Meinungen verändern wird.“ Würde ein solches Projekt zu Saber kommen? „100 Prozent.“

John Carmack und die Quake-3-Analogie

Die vielleicht prägnanteste Aussage des Gesprächs betraf John Carmack – Mitgründer von id Software und heute Gründer des KI-Startups Keen Technologies. Willits nutzte einen historischen Vergleich: Als Quake 3 im Jahr 1999 als erstes Spiel eine dedizierte Grafikkarte zwingend voraussetzte, erntete das Studio massiven Gegenwind.

„Die Leute sagten, wir würden die Industrie ruinieren. Niemand würde 100 Dollar für eine Grafikkarte ausgeben, und es sei die dümmste Idee, die je jemand gehabt habe.“ Geschichte gab id Software recht. Und Carmack, so Willits, wäre bei generativer KI genauso vorgegangen: „Ich weiß mit Sicherheit, dass John Carmack damals, wenn es verfügbar gewesen wäre, daraus irgendwas wie Skynet gebaut hätte.“

Carmack selbst – der 2022 Oculus verließ, um sich ganz der künstlichen allgemeinen Intelligenz zu widmen, und 2023 Keen Technologies mit 20 Millionen Dollar Startkapital gründete – hat in der Vergangenheit KI-Projekte in der Gaming-Industrie aktiv verteidigt. Er bezeichnete Microsofts KI-gesteuerte Quake-II-Demo als bemerkenswerte Forschungsarbeit.

Willits macht am Ende deutlich, was er für den einzig möglichen Beweis hält: „Die Spiele werden für sich selbst sprechen.“ Ob Rideshare Simulator dabei der erste Schritt in die richtige Richtung ist oder nicht – das, so Willits, sollen die Spieler selbst entscheiden.

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