Kann das neue Total War nach Jahren des Wartens die Fans wirklich überzeugen? Auf der Gamescom 2026 in Köln gab es erstmals eine spielbare Version von Total War: Warhammer 40.000 für Journalisten und Content Creator — und der erste Eindruck ist so überzeugend wie aufreibend zugleich. Creative Assembly verfolgt enorme Ambitionen, doch das Spiel steckt noch tief in einer frühen Entwicklungsphase.
Drei Abschnitte waren auf der Gamescom spielbar: ein kurzes Schlachten-Tutorial, ein kleiner Ausschnitt der Kampagnenkarte und eine anspruchsvolle Gefechtsszene. Trotz des frühen Build-Stadiums lief die Version erfreulich stabil, stürzte nicht ab und bot visuell bereits im Gamescom-Kontext beeindruckende Momente — besonders wenn Clusterbomben feindliche Infanterie spektakulär vom Schlachtfeld fegen.
Ein Universum, das ganze Sonnensysteme umfasst
Der größte strukturelle Bruch mit der Fantasy-Trilogie steckt im Maßstab: Während Total War: Warhammer III auf kontinentalen Kampagnenkarten operierte, spielt sich Total War: Warhammer 40.000 in ganzen Sonnensystemen ab. Jedes Sternensystem bildet eine eigene Kampagne; innerhalb eines sogenannten Crusade Theatre gibt es rund zehn potenzielle Kampagnen — Charaktere und Armeen lassen sich dabei zwischen einzelnen Kampagnen übertragen. Das ist keine Evolution der Reihe, das ist ein Neustart auf Systemebene.
Raumflotten im Orbit sind kein bloßes Beiwerk. Orbitallaser und gezielte Luftunterstützung aus dem Weltall können aktiv in Bodenschlachten eingesetzt werden. Die Imperiale Armee kann Artilleriebatterien und Deathstrike-Raketenwerfer auf Planeten errichten — strategische Anlagen, die Space Marines unter ihr Kommando nehmen können. Planetare Gouverneure spielen ebenfalls eine Schlüsselrolle: Wer sie bei Laune hält, schaltet diplomatische Aktionen und Unterstützungsoptionen frei.
Angetrieben wird das alles von der neuen Warcore Engine — der ersten proprietären Engine, die Creative Assembly exklusiv für dieses Projekt entwickelt hat. Zerstörbare Objekte sind taktisch relevant: Deckungsstrukturen können gezielt genutzt oder eingerissen werden, was dem Schlachtfeld eine dynamische Qualität verleiht, die die Fantasy-Trilogie so nicht kannte.
Was die Gamescom-Demo konkret zeigte
Vier Fraktionen sollen zum Launch bereitstehen: Space Marines, Orks, Imperiale Armee und Eldar. In der Demo traten Space Marines gegen Orks an — klassisch für das grimdark Warhammer-40.000-Universum. Jede Fraktion soll sich spürbar anders spielen: Space Marines setzen auf wenige, extrem schlagkräftige Supersoldaten; Orks überwältigen durch schiere Masse und Nahkampfgewalt; Eldar manövrieren schnell und überraschend; die Imperiale Armee baut auf strategische Infrastruktur und feste Verteidigungsstellungen.
Auf der Kampagnenkarte gibt es Provinzen mit Regionen, Gebäudeausbau und Truppenrekrutierung. Anders als in Total War: Warhammer III lassen sich Verbände nun wieder ohne eigenen General bewegen — eine willkommene Rückkehr zu einem System, das viele Fans aus früheren Total-War-Titeln schätzen. Die Helden der Space Marines erhalten außerdem sogenannte Follower, mit denen sich die Zusammensetzung ihrer Leibgarde individuell anpassen lässt.
Die größten Neuerungen: Dreadnoughts, Deckung und Waffenladungen
Drei Features stechen besonders heraus. Erstens: ein echtes Deckungssystem. Infanterie achtlos auf offenem Gelände zu stationieren ist nicht mehr nur unklug — es ist ein taktischer Fehler mit messbaren Konsequenzen. Zweitens: vollständig anpassbare Waffenladungen für alle Einheiten, eine der meistgeforderten Funktionen der Warhammer-Community seit Jahren.
Neu auf der Gamescom enthüllt: Fast tote Heldencharaktere können in einen Dreadnought umgebettet werden und kämpfen dann als schwere Panzereinheit weiter — ein langjähriger Community-Wunsch, endlich realisiert.
Die Dreadnought-Mechanik ist das emotionalste der neuen Features: Statt einen geliebten Charakter zu verlieren, überlebt er in einem gepanzerten Sarkophag — und bleibt im Kampf aktiv. Das stärkt die Bindung zwischen Spieler und Held über eine einzelne Kampagne hinaus und fügt eine narrative Dimension hinzu, die in früheren Total-War-Spielen so nicht existierte.
Offene Fragen — und eine Beta noch Ende 2026
Was bleibt offen? Das Balancing zwischen vier so unterschiedlichen Fraktionen dürfte die größte Herausforderung für Creative Assembly sein. Die Eldar und die Imperiale Armee fehlten in der Demo noch komplett. Ohne direkten Vergleich ist schwer zu beurteilen, wie ausgewogen das finale Fraktionsgefüge ausfallen wird.
Ein Releasedatum existiert bislang nicht. Bestätigt ist lediglich eine geschlossene Beta noch Ende 2026 sowie der Start auf PC, PlayStation 5 und Xbox Series X/S — was Total War: Warhammer 40.000 zum ersten Titel der Reihe macht, der von Beginn an auch für Konsolen erscheint. Das ist ein deutliches Signal, dass Creative Assembly eine breitere Zielgruppe anspricht als je zuvor.
PC-Gamer-Autor Fraser Brown brachte es nach seiner Stunde mit dem Build auf den Punkt: „Ich habe gerade die Zukunft der Strategiespiele gespielt.” Ob das stimmt, wird die Beta zeigen. Die Basis jedenfalls klingt überzeugend.

