Wer das originale Ocarina of Time auf dem Nintendo 64 gespielt hat, kennt die zwei ungeschriebenen Gesetze: Rollen ist schneller als Laufen, und Springen passiert automatisch – oder gar nicht. Beides war nie wirklich ein Feature, sondern eine Eigenart, mit der man sich jahrzehntelang abgefunden hatte. Das Nintendo Switch 2-Remake räumt jetzt mit beidem auf – und pünktlich zum 5. November 2026 bekommen Fans endlich die Korrekturen, die sie seit 28 Jahren forderten.
Nintendo-Produzent Eiji Aonuma stellte die Neuerungen in einer live gespielten Gameplay-Demonstration vor und wählte dabei auffallend klare Worte: Die neuen Steuerungselemente mögen für alle, die neuere Zelda-Spiele kennen, selbstverständlich wirken. Für Fans der originalen Ocarina-Generation klingt das nach einem stillen Geständnis – und einer längst fälligen Korrektur.
Ein Sprungknopf – 28 Jahre zu spät
Im N64-Original von 1998 sprang Link automatisch, sobald er eine Kante entlanglief und einen Abgrund vor sich hatte. Wer bewusst abspringen wollte, hatte schlicht keine Möglichkeit dazu. Das war damals eine Designentscheidung, keine technische Notwendigkeit: Super Mario 64, das auf der gleichen Hardware lief, demonstrierte zum gleichen Zeitpunkt präzise, wie dreidimensionale Sprungmechanik funktioniert. Zelda zog nicht nach, und diese Entscheidung hat die Community seitdem nie ganz losgelassen.
Im Remake lässt sich der Sprung mit einem Tastendruck auslösen, unabhängig von Kanten oder Abgründen. Die automatische Sprunghilfe an Kanten bleibt dabei erhalten – beide Varianten koexistieren, was die Steuerung für Neueinsteiger intuitiv hält und Veteranen trotzdem die Kontrolle gibt, nach der sie seit Jahrzehnten gefragt haben. Das klingt nach einer Kleinigkeit, verändert das Bewegungsgefühl in Hyrule aber spürbar. Wer schon mal Breath of the Wild oder Tears of the Kingdom gespielt hat, weiß, was gemeint ist.
Veröffentlichung: The Legend of Zelda: Ocarina of Time Remake erscheint am 5. November 2026 exklusiv für Nintendo Switch 2.
Das Ende des Roll-Spams
Noch dankbarer dürften Kenner über die zweite Änderung sein. Im N64-Original war kontinuierliches Rollen die schnellste Fortbewegungsmethode im Spiel – ein offensichtlicher Programmierfehler, der längst zum Running Gag der Ocarina-Community geworden ist und in nahezu jedem Speedrun bis heute Anwendung findet. Man rollte nicht, weil es Spaß machte, sondern weil man keine Wahl hatte. Wer durch Hyrule hetzte, sah dabei weniger nach Link aus und mehr nach einem Stehaufmännchen.
Das Remake löst das Problem direkt: Nach einer Rolle steht ein kurzer Sprint zur Verfügung. Wer rollen möchte, darf das gern tun – einen Geschwindigkeitsvorteil gibt es dabei nicht mehr. Die Fortbewegung wirkt kohärenter, die Animationen weniger wie ein Notbehelf, und die Speedrunning-Community dürfte ihre etablierten Routen grundlegend überdenken müssen.
Kamera, Tauchen und ein neues Navigationssystem
Sprung und Roll-Fix sind die auffälligsten Eingriffe, aber nicht die einzigen. Die Kamera reagiert jetzt auf den rechten Analogstick und lässt sich frei drehen – auf dem Nintendo 64 war das technisch nicht möglich, was damals zu einigen frustrierenden Dungeonabschnitten geführt hat. Gerade in engen Bereichen wie Tempeln war die starre Kamera des Originals ein regelmäßiger Kritikpunkt.
Dazu kommt ein überarbeiteter Schwimm- und Tauchmechanismus: Link kann jetzt aktiv tauchen, statt nur an der Wasseroberfläche zu gleiten – eine Neuerung, die für den berühmt-berüchtigten Wassertempel nicht unerheblich sein dürfte. Nintendo hat außerdem das sogenannte „Threads of Time“-System integriert: eine optionale Orientierungshilfe, die anzeigt, welche Aufgaben als nächstes anstehen. Wer Hyrule aus dem Effeff kennt, schaltet sie einfach aus. Für Neueinsteiger ist es eine sinnvolle Einstiegshilfe.
Vertraute Welt, neue Steuerung – und eine offene Frage
Was die Grafik angeht, hat Hyrule eine neue visuelle Behandlung bekommen – bleibt aber in seiner grundlegenden Struktur dem Original von 1998 treu. Über den neuen Grafikstil gehen die Meinungen auseinander: Manche fünden ihn frisch, anderen fehlt die Schärfe früherer Remakes. Wer eine radikal neue Interpretation erwartet, wird sie nicht finden.
„Für diejenigen, die neuere Spiele der Reihe gespielt haben, mag das selbstverständlich wirken.“ – Eiji Aonuma, Nintendo-Produzent, Gameplay-Demo September 2026
Die Frage, ob das Remake gegenüber dem Original einen echten Mehrwert bietet, ist berechtigt. Die Gameplay-Korrekturen sind willkommen – Sprungknopf, Sprint nach der Rolle, freie Kamera, Tauchen. Aber Hyrule selbst ist nahezu unverändert. Für alle, die Ocarina of Time noch nie gespielt haben, gibt es kaum einen besseren Einstieg in eines der einflussreichsten Spiele der Geschichte. Und für alle anderen: Mit den neuen Komfort-Features lässt sich Hyrule vielleicht doch noch einmal mit frischen Augen entdecken – ohne dabei den halben Abend rollend durch die Felder zu verbringen.

