„Ich habe immer gesagt, es gibt null Chancen auf ein neues Banjo-Kazooie-Spiel. Heute würde ich sagen: eine leise Chance.“ Grant Kirkhope, der Komponist hinter den Originalscores der Banjo-Kazooie-Spiele, klang im Gespräch mit dem Spieleportal FRVR bemerkenswert offen – und gleichzeitig bemerkenswert ernüchtert. Denn während die Hoffnung der Fans seit Jahrzehnten ungebrochen bleibt, ist die Realität hinter den Kulissen deutlich komplizierter.
Mindestens drei Studios haben laut Kirkhope bereits versucht, bei Microsoft oder Rare eine Fortsetzung der Kult-Plattformspielserie anzubahnen. Keines kam durch.
Dreimal angefragt, dreimal abgelehnt
Fast 20 Jahre sind vergangen, seit Banjo-Kazooie: Nuts and Bolts auf der Xbox 360 erschien – und mit seiner Abkehr vom klassischen Plattformer-Gameplay die Fangemeinde spaltete. Seitdem ist es um das Bären-Vogel-Duo abseits von Super Smash Bros. auffällig still geblieben.
Kirkhope macht keinen Hehl daraus, warum das so ist. „Ich kenne ungefähr drei Unternehmen, die sich tatsächlich persönlich bei Microsoft oder Rare um die Entwicklung eines neuen Banjo-Kazooie-Spiels beworben haben – und ich glaube nicht, dass eine davon erfolgreich war.“ Die Namen der Studios nennt er nicht, doch er betont, dass es sich um ernsthafte, physische Anfragen handelte, keine losen Gespräche auf Messen.
Das Muster sei keine Ausnahme, sondern Regel: „Rare sagt typischerweise zu allem Nein. Ich kenne Leute, die ihnen Zeichentrick-Konzepte vorgeschlagen haben, alle möglichen Ideen – und die Antwort ist immer Nein.“ Ein Muster, das Fans seit Jahren frustriert, und das Kirkhope offen anspricht, auch wenn er Rares Eigenständigkeit respektiert.
Zum Kontext: Das letzte echte Banjo-Kazooie-Plattformspiel – Banjo-Tooie – erschien im Jahr 2000 auf dem Nintendo 64. Seitdem gab es keine Hauptspielfolge in diesem Stil.
Warum sagt Rare immer Nein?
Der Grund liegt laut Kirkhope weniger an mangelndem Wohlwollen als an schlichten Kapazitätsproblemen. Rare – das Studio, das einst mit GoldenEye 007, Donkey Kong Country und Perfect Dark Geschichte schrieb – ist schlicht zu beschäftigt für ein neues Banjo-Abenteuer.
„Rare würde so etwas nie machen, weil sie viel zu viel um die Ohren haben“, sagt der Komponist. Seit dem Abgang von Studiochef Craig Duncan gibt es jedoch einen Hoffnungsschimmer: Kirkhope glaubt, dass Rare unter neuer Führung „ein bisschen offener für Diskussionen“ sei als in den vergangenen Jahren. Eine Xbox-Umfrage unterstrich zudem, wie groß die Nachfrage ist: Banjo-Kazooie landete als meistgewünschtes Spiel unter Xbox-Besitzern auf Platz eins – vor zahlreichen anderen beliebten Franchises.
Wer könnte Banjo-Kazooie retten?
Kirkhope hat konkrete Kandidaten im Kopf. Ganz oben auf seiner persönlichen Liste steht Day 4 Night Studios – ein junges Studio, für das er selbst derzeit die Musik zu Bradley the Badger komponiert. Kirkhope traut dem Team sowohl das nötige Gespur für Plattformer als auch die Leidenschaft für nostalgisch aufgeladene Charaktere zu.
Ein weiterer Name, der durch die Gerüchteküche geistert: Toys for Bob, die Macher der gelobten Spyro-Reihe. Das Studio soll Interesse an Banjo-Kazooie gezeigt haben – ist jedoch momentan mit Spyro: A Realm Beyond ausgelastet. Kurzfristig dürfte daher nichts passieren.
Abseits einer echten Neuentwicklung gibt es auch Bewegung in Richtung Bestandspflege: Berichten zufolge sollen neue Portierungen der N64-Klassiker keine bloßen Emulator-Kopien sein, sondern native Umsetzungen – mit der Möglichkeit, gestrichene Inhalte und Bonus-Features hinzuzufügen, die einst auf dem Schneidetisch landeten. Für Fans, die seit Jahrzehnten auf ein Banjo-Threeie warten, wäre das zumindest ein trostlicher Anfang.
Eine leise Hoffnung – aber eine echte
Kirkhopes Optimismus ist vorsichtig, aber nicht gespielt. Er kennt die Branche, er kennt Rare, und er kennt die Geschichte der gescheiterten Anfragen besser als die meisten. Wenn er trotzdem von einer „leisen Chance“ spricht, ist das kein PR-Optimismus – es ist die ehrliche Einschätzung eines Insiders.
„Meine einzige Hoffnung ist, dass die Fans den Film trotz ihrer Skepsis sehen.“ – Grant Kirkhope über Banjo-Kazooie
Ob Microsoft in einer Ära, in der das Unternehmen verstärkt auf bewährte Franchises setzt, irgendwann den Riegel vor Banjo-Kazooie löst, bleibt offen. Eines ist klar: Der Wille ist da – bei den Fans, bei potenziellen Studios, und offenbar auch bei Kirkhope persönlich. Die Entscheidung liegt bei Rare, und bisher war deren Antwort immer dieselbe.

